Heimliche Liebe

Es gibt viele leidenschaftliche, traurige und verwegene Geschichten über heimliche und unheimliche Liebe. Sie alle kennzeichnet eine extreme und intensive Erfahrung, etwas berauschend Abhängiges, was in einem nicht endenwollenden Märtyrium steckenbleibt und schließlich nur noch bitter und enttäuschend bleibt.
Die Geliebten kämpfen und nähren ihren Glauben am Strohhalm der "ewigen Liebe", die Vergebenen lassen einen kontrollierten Ausbruch aus ihrem Alltag zu, um einer diffusen Sehnsucht Platz zu geben.
Ob heimliche oder große Liebe, Affäre, Seitensprung oder Fremdgehen: kann das dem Leben wirklich den Sinn geben, nach dem wir uns sehnen? Oder erschaffen wir damit das Leiden, das eigentlich gelindert werden sollte? Berauben wir uns dadurch nicht der Erfahrung einer reifen gewachsenen Liebe?

In eine Affäre schlittert man hinein wie in eine andere Welt, taucht ein in eine intime Vertrautheit, in der man sich aufgehoben fühlen kann. Es wird nicht viel hinterfragt und man muss nicht viel wissen. Die rare Zeit der Zweisamkeit wird wichtiger als Vergangenheit und Zukunft. Es ist eine Oase zum Abschalten von den Alltäglichkeiten des Lebens, keine Auseinandersetzung mit den Problemen, vor denen man wegläuft. Das festgefahrene Alltags- oder Eheleben lässt sich besser ertragen, wenn man vertraute Stunden mit jemandem teilt, der einem Verständnis gibt, von dem man sich begehrt fühlt. Einsamkeit und Sehnsucht bieten den idealen Nährboden für eine leidenschaftliche heimliche Liebe, die Furcht, etwas verpasst zu haben, Frustration und enttäuschende Erfahrungen in bisherigen Beziehungen, unerfüllte Wünsche,...

Einem von beiden wird das irgendwann zu wenig, es kommen die drängenden Fragen über die Perspektive dieser Liebe. Wann weiß man, ob es "echt" ist? Ist es die "richtige" oder "falsche" Entscheidung, soll man gehen oder bleiben?

Der eine wartet und hofft, der andere entscheidet und empfängt. Motive und Gründe lassen sich auf beiden Seiten immer finden, es entsteht eine enorme Kreativität im Umgang mit der heimlichen Liebschaft. Ein Ungleichgewicht entsteht, das bis über die Schmerzgrenze hinaus ausgedehnt wird. Immer wieder werden die Schmerzpunkte getriggert, bis einer betäubt kapituliert. Oder feststellt, dass sich die Geschichte wiederholt, sich nichts verändert, die Probleme immer die selben bleiben werden.
Was bleibt sind Enttäuschung, Wut, Trauer, große seelische Verletzungen, die Aufdeckung vieler Lügen und irgendwann die Gewissheit, viele Jahre mit Hoffen und Warten verloren zu haben.
Die tiefe Sehnsucht und das Verlangen nach einer "großen" Liebe lassen sich nicht durch den "Richtigen" kompensieren, sondern durch die Bereitschaft die eigenen Überzeugungen zu ändern, eine konsequente Auseinandersetzung mit der Art, wie wir Liebe erleben und empfangen.
Was Liebe eindeutig nicht braucht sind Heimlichkeiten, Lügen, (Selbst)betrug, Abhängigkeiten, Unverbindlichkeit, Manipulation und Verzicht.
Erfüllende Liebe braucht Neugier, Lust auf Veränderung, Zeit für Entwicklung, Verantwortungsbewusstsein, Barmherzigkeit und offene Kommunikation.
Lieben ist der freie Wille sich aus tiefstem Herzen zu entscheiden.


gewidmet allen ersten und zweiten Geigen

13.4.11 12:37

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