Platonische Liebe und Seelenverwandtschaft

Platonische Liebe ist die sinnlich-sexuelle Aspekte ausklammernde zwischenmenschliche Beziehung, die allein auf geistig-seelischer Basis beruht.
Ist das gleichbedeutend mit Freundschaft?
Freunde sollten sich uneigennützig dienen und sich hauptsächlich durch gemeinsame Interessen und einer Art Seelenverwandtschaft zum Freund hingezogen fühlen.
Sokrates und Platon beschreiben jedoch, dass die platonische Liebe sinnliche Neigungen durchaus als notwendig ansieht. Die Lust wird hier als ein "heiliger Wahnsinn" bezeichnet:

"Wer... ein gottähnliches Angesicht erblickt oder eine Gestalt des Körpers, welche die Schönheit vollkommen darstellen, so schaudert er zuerst..., hernach aber betet er sie an wie einen Gott, und fürchtete er nicht den Ruf eines übertriebenen Wahnsinns, so opferte er auch, wie einem heiligen Bilde oder einem Gotte, dem Liebling. Und hat er ihn gesehen, so überfällt ihn, wie nach dem Schauder des Fiebers, Umwandlung und Schweiss und ungewohnte Hitze... Und es schwillt der Kiel des Gefieders... "

Schlußendlich geht es dabei um die Suche nach der Wahrheit und dem Guten.

Und wie steht es um die Seelenverwandschaft? Hier finden sich oft nur Esoterik und Selbsterfahrung, leider.


So sind zwei halbe Seelen, jede Hälfte Teil einer ehemals ganzen Seele, die jetzt in zwei Körpern, in einem männlichen und einem weiblichen, wohnt.

"Unser innerer, unbewusster, "fehlender" Anteil wird stark von ganz besonderen Menschen gespiegelt. Wir nennen sie Seelenverwandte oder Seelengefährten.
Seelengefährten finden wir immer wieder auf unserem Weg. Es sind die Menschen, die unser Herz rühren, mit denen wir Beziehungen eingehen und die wir vielleicht sogar heiraten. Seelengefährten gleichen unserer "fehlenden Hälfte" und wir finden uns in ihnen wieder.

Findet sich auch wieder bei C.G. Jung als unbewusster, gegengeschlechtlicher Anteil im Mann (als Anima) und in der Frau (als Animus) wieder.
Seelengefährten sind für uns sehr wichtig. Sie reflektieren uns. Wir lernen durch sie, was uns entspricht und was uns fehlt, was wir sind oder was noch nicht. Sie konfrontieren uns auch mit unserem Schmerz. Am Schmerz wachsen wir letztendlich. Das schmerzhafte Gewahrwerden ist äusserst unangenehm, aber wir müssen nun einmal Dinge schmerzhaft erfahren, wenn es nicht anders geht; alle anderen Wege davor waren "gescheitert". Das schmerzhafte Gewahrwerden (er-)löst uralten Schmerz aus uns heraus, den wir, wenn wir die Projektion zum Auslöser im Aussen zurücknehmen, dann als "unseres" annehmen, anschaun und dann loslassen können.
Wir "lernen" uns selbst besser kennen und allmählich erinneren wir uns durch diese Erfahrungen an das, was uns ausmacht. Wir erkennen uns selbst. Deshalb ist es immens wichtig, durch diese Erfahrungsprozesse zu gehen.
Die Beziehungen mit Seelengefährten sind Erfahrungsprozesse. Wir erfahren dabei alles über Liebe, Loslassen, Hingabe, Kommunikation, Vertrauen, Annehmen. Das alles brauchen wir, um zu "reifen", herauszufinden, was oder wer wir wirklich sind.
Umso mehr der Seelengefährte unsere eigenen Anteile spiegelt, desto intensiver ist das auch Zusammentreffen und es ist sehr schön und tiefgreifend, diese Liebe zu erleben.
Geschehnisse auf anderen Erlebnisebenen können ein Trauma ausgelöst haben, oder ein anderes psychisches Phänomen. Es können immer noch unbewusst die gleichen Bedingungen herrschen oder auch reaktive Verhaltensstrukturen. Jedenfalls ist es so, dass wir im Leben uns bestimmten Themen immer wieder annähern, solange, bis wir nah genug da herankommen, um den Konflikt zu lösen.
Situationen dieser Art äussern sich als "Mit-ihr/ihm-geht-es-nicht-und-ohne-sie/ihn-auch-nicht"-Konflikte erweisen und sind oftmals typische "Gelöst-werden-wollen"-Konflikte. Man wird förmlich mit der Nase drauf gestoßen und das Ergebnis kann durchaus das völlige Loslasen nach sich ziehen.
Zum Erlösen der Strukturen brauchen wir vor allem uns selbst; der "Mitspieler" hat uns nur dahin geführt, damit wir anschauen können, was passiert ist. Wir sind allerdings nicht verantwortlich für die Lösung der Verstricktheit des Partners, sondern vielmehr für unsere eigene Verstricktheit. So hat jeder von uns seine Eigenverantwortlichkeit und seinen Part, den er/sie zu heilen hat. 
Die Liebesfähigkeit ist bei den meisten von uns leider nur wenig entwickelt. Deshalb geschehen unter dem Aspekt "Liebe" so viele Dramen und es gibt viele Missverständnisse. "

 

nova violina


19.3.11 00:41

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